Der Jäger

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      hi,

      Mal ne kleine Horror Kurzgeschichte....wenn sie gefällt, lasse ich mich auch zu einer "The Forest Geschichte der etwas anderen Art" animieren...viel Spaß beim Lesen:


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      Der Vollmond steht am Himmel. Die Glut in meinem Hals schnürt mir den Atem ab. Ich brauche Nahrung. Der Hunger zerfrisst mich, trübt meine Sinne. Doch es ist keine Beute in Sicht. Ich halte meine Nase mit ihrem dämonischen Geruchssinn in die kühle Luft. Es wird nichts zu mir in die Luftige höhe des Kirchturms heraufgetragen. Ist denn die Stadt ausgestorben? Ich lasse mich fallen, die kalte Nachtluft peitscht meine langen Haare in den Nacken und zieht feine Knoten hinein. Es ist mir egal. Der pflastersteinbesetzte Kirchplatz schießt auf mich zu. Ich breite meine Flügel aus und fange mich ab. Meine abgemagerten Schwingen können die Wucht der Luft kaum stand halten. Der Aufschlag wird härter als geplant. Meine Flughilfen klappen weg, der Boden kommt näher. Der Schmerz zieht sich durch meine Waden, das verlangen vertreibt aber die glühenden Eisen, die sich mein Schienbein hochziehen. Ich glaube das Rechte ist gebrochen, egal. Es wird heilen sobald ich meine Beute gefunden habe. Meine Flughäute lege ich um meine Schultern wie einen absurden Umhang. Keine Seele treibt sich umher. Geschwächt humpele ich durch die Straßen. Nur ein Gedanke treibt mich noch voran, der Gedanke an frisches, kostbares Blut. Der Saft der meine Lebensenergie wieder herstellen kann und mir ein paar weitere Tage Leben schenken wird. Doch ich brauche ein Opfer, ein leichtes noch dazu. Ich kann keinen mehr ertragen der sich wehrt, meine Muskeln erschlaffen bereits. Was hatte mich dazu getrieben, den Kirchturm herab zu springen? Ach ja, ich weis, mein Leichtsinn gaukelte mir vor, ich währe stark genug, doch ich bin es nicht mehr.

      Dort, am Ende dieser schäbigen Gasse, dort ist Licht. Ich sehe es doch deutlich vor mir. Ein flackerndes Licht einer Öllampe. Ich renne, renne wie ein verfluchter Mensch. Meine Beine wollen mich kaum noch tragen. Das Schicksal lacht mich aus, es verspottet mich. Ich kann sein Lachen hören. Ich war einst das gefürchtetste Wesen in dieser vermaledeiten Stadt. Ich konnte jeden um den Finger wickeln. Jeder war mir verfallen, doch das hat ein Ende gefunden. Mehr meiner Sorte sind hier aufgekreuzt. Ich verfluche meine Spezies, sie haben zu viel gemordet. Die Menschen sind vorsichtig, wissen, dass wir nur bei Nacht wandeln können. Ein jeder hat Kreuze an der Tür, ich hasse sie. Sie blenden mich.

      Das Licht kommt endlich in greifbare nähe. Ich überlege mir eine List, ich kann das Haus nicht betreten. Wie kann ich es anstellen? Dort liegt eine Mistgabel, was hat die hier zu suchen? Ist das eine Bauernfamilie? Nein, das kann nicht sein. Egal, das Werkzeug muss genügen. Ich richte es in einer dunklen Ecke auf meinen Hals und steche mir die Schlagader auf. Es schwächt mich, aber wenn die List klappt, wird es nicht von dauer sein. Das restliche, mir gebliebene, kalte Blut strömt mir aus dem Hals. Meine Sicht vernebelt, ich kann die Dunkelheit kaum noch durchdringen. Ich taste nach einem Stein.

      Da ist die Tür, kein Kruzifix, ha, ihr Narren. Der Stein poltert gegen die Tür. Ja sie haben es gehört, Aufruhr im Innern. Gleich wird die Tür geöffnet. Ich lasse mich auf die Treppe fallen, röchelnd. Ich wünsche es sei vorgetäuscht, meine Verletzungen beginnen zu schmerzen, ich bin zu schwach. Hoffentlich schaffe ich es noch. „Wer da?“, die Stimme klingt dunkel und Männlich. Mach auf, du Idiot. „Hilfe, bitte helft mir.“ Meine Stimme versagt. Die Tür öffnet sich und wirft einen hellen Streifen auf das Pflaster. Mein gebrochenes Bein liegt darin. Schnell wird die Tür aufgestoßen. Ich rappel mich hoch, ich kann das Pulsieren der Arterien hören. Ich schmecke Eisen. Ich rieche die wohligen ströme des Lebenssaftes. Doch ich muss mich gedulden, die Sekunden schleichen, sie verwandeln sich in Minuten und diese in Stunden. Wie soll ich das aushalten? „Komm rein, Fremder, was ist Ihnen wiederfahren?“ Das ist mein Zeichen, ich rappel mich auf, doch er erkennt seinen Fehler. Ich kann nun ungehindert eindringen, Narr, zu dieser Stunde lädt man keine Fremden in sein Haus ein. Ich stolpere die kurze Treppe hoch. Meine Schwäche ist mein Glück. Denn seine Frau, ein wunderschönes Ding, lässt Ihr Kreuz fallen und stützt mich. Ich kann es kaum ertragen, ihre Adern liegen blank vor mir, aber ich muss ins Haus. Es darf keiner mitbekommen.

      Sie setzt mich auf den Küchenstuhl, ein unbarmherziges Holzungetüm. Scheiß neumodischer Müll. Alles Massiv. Ein brennen im Rücken. Nein, es sind Kreuzmonumente darin, das wird mich verraten. Ich lasse mich in gespielter Ohnmacht zur Seite gleiten. Falle auf den Rücken um die frische Brandwunde zu verbergen. Doch zu spät, sie haben mein Wesen erkannt. Ich muss handeln, aber meine Knochen verweigern ihren Dienst.

      Das darf nicht wahr sein, soll das das Ende eines Meisters sein? Von einem Tölpel, der mehr Glück als Verstand sein eigen nennen kann, besiegt? Nein, ich werde mich stärken. Die Frau steht mir am nächsten. Ich rappel mich hoch. Verdammter Drecksack, er steht mir im weg, eine Schrotflinte in der Hand. Ich kann mir ein Grinsen nicht verweigern. Ich schlage nach dem rostigen Eisen.

      Was ist das? Ein Wimmern dringt an mein Ohr. Wahnsinn, ein Kind. Leichte Beute. Ihr hättet schlauer sein müssen. Ich drehe mich voll Begierde ab. Stürme mit letzten schmerzenden Sprüngen durch den Flur, verdammtes, brüchiges Knochending, musstest du Brechen? Es hindert mich in meiner Geschwindigkeit.

      Zurück zur Haustür. Die Treppe hoch? Ich stocke kurz, mein Atem ist zu schwer, zu laut. Ich kann sie nicht hören. Doch es muss die Treppe runter wehen, ich kann schleimiges Blut riechen, eine Jungfrau in Ihrer ersten Regel. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Meine staubige Kehle zerreißt es nach diesem Leckerbissen. Neue Leidenschaft entfacht.

      Ich humpele in die zweite Etage. Hinter der Tür, ich spüre es, die Gier lenkt meine Sinne. Ich stoße sie auf. Ich höre die Eltern hinter mir. Nein, ich bin schneller. Die Pforte ist verschlossen.

      Ich sehe sie, sie liegt im Bett. Ihre Decke zieht sie sich bis ans Kinn, als würde mich das aufhalten. Rumpeln an dem schweren Holz hinter mir. Ha, nun verflucht ihr eure massive Bautechnik. Ich gehe langsam auf das Pulsieren zu. Das Mädchen ist nicht älter als dreizehn. Eine Schande, so jung, so unschuldig. Ich reiße ihr die Decke weg. Sie ist paralysiert, sie rührt sich nicht. Gut so Mädchen. Mach es mir Leicht. Ich setze mich zu Ihr, das Poltern der Tür wird lauter, er schmeißt sich mit aller Kraft dagegen, dieses Fette stück Scheiße.

      Mein Blick wandert zurück, sie verzog sich an die Wand, noch dichter und sie würde glatt darin verschwinden. „Hab keine Angst, es wird nicht lange weh tun. Wenn du dich mir hingibst?“, Ich hörte meine Worte, es muss auch für die geklungen haben, als währe ich ein einfacher Triebtäter, weit gefehlt meine Schöne. Ihr entfährt ein Schrei. Mein Glück, dass meine Ohren genauso geschwächt sind wie alles andere. Und doch fühlt es sich schmerzhaft an. Ich lasse es mir nicht anmerken. Ich greife nach ihr, packe ihr groteskes Nachthemd. Ein mit Blumen verunstalteter Fetzen aus dünnem Stoff. Es reist unter ihrer panischen Kraft. Ich lache kurz, welch Ironie, alles hier ist stabil, mit Ausnahme der spärlichen Kleidung.

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      Ende Teil 1

      Wird mir sonst zu lang....außerdem wird es ab jetzt brutaler, und ich hätte erst mal gerne Feedback, ob das gewünscht ist.
      Wow, verdammt harter Tobak. Das gefällt mir!

      Sehr spannend und paralysierend. Man kann mit dem blutrünstigen Wesen mitfühlen, sich nahezu in es hineinversetzen. Du hast diese Gier des Wesens exakt und explizit eingefangen, den Leser (also mich) dazu gebracht sich in die ganze Szene einzufinden, als ob man mit im Raum steht und das ganze Treiben beobachtet - machtlos derlei Handlungen. Doch will man es eigentlich aufhalten?

      Nur eines: da ich die Diskussion an anderer Stelle hier im Forum begonnen hatte, sehe ich mich als dein Lese-Fan dazu veranlasst, dich darauf hinzuweisen, dass du rein rechtlich auf bestimmte Formulierungen aufpassen musst. Das ist keine Belehrung, bitte nicht denken, aber es ist schwierig bestimmte Grenzen zu ziehen, wenn man alles als reine Phantasie bezeichnet.

      Bitte unbedingt fortsetzen ^^
      kann mich nur anschließen, find ich recht gelungen. :)

      weiter so!

      zitat:

      Zurück zur Haustür. Die Treppe hoch? Ich stocke kurz, mein Atem ist zu schwer, zu laut. Ich kann sie nicht hören. Doch es muss die Treppe runter wehen, ich kann schleimiges Blut riechen, eine Jungfrau in Ihrer ersten Regel. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Meine staubige Kehle zerreißt es nach diesem Leckerbissen. Neue Leidenschaft entfacht.


      das ist definitiv zu viel des guten. :D